Alternativname(n)Zamek Książąt Pomorskich w SzczecinieStaatPolenOrtSzczecinEntstehungszeitvor 1200ErhaltungszustandRekonstruiertGeographische Lage♁53° 26′ N, 14° 34′ OKoordinaten:53° 25′ 34″ N, 14° 33′ 37″ O||
Fassade von Norden (2006)Stettiner Schloss – Grundriss von 1855
DasStettiner Schlossist eine ehemalige Residenz der Herzöge vonPommerninStettin. Bis zur schweren Beschädigung imZweiten Weltkriegwar es das am besten erhalteneSchlossder während desDreißigjährigen KriegesausgestorbenenGreifenherzöge. Nach dem Wiederaufbau in derVolksrepublik Polenist das Herzogsschloss heute unter dem NamenZamek Książąt Pomorskich(„Schloss der Pommerschen Herzöge“) eines der größten Kulturzentren in derWoiwodschaft Westpommern.
Inhaltsverzeichnis
1Geschichte
1.1Unter den Greifen
1.2Schweden und Preußen
1.3Nach 1945
2Literatur
3Einzelnachweise
4Weblinks
Geschichte
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Unter den Greifen
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In Stettin befand sich bereits im 12. Jahrhundert einslawischer Burgwall, den die Pommernherzöge durchKastellaneverwalten ließen. HerzogBarnim I.ließ 1249 die Burg auf Bitten der Stettiner Bürger niederreißen und überließ der Stadt den Burgplatz,[1]mit Ausnahme von zwei größeren Grundstücken. Als sein EnkelBarnim III.1345 anstelle des Hofes auf dem Burghügel ein neues Schloss bauen ließ, vertrieben die Bürger die Bauarbeiter. Der Konflikt wurde durch einen Schiedsspruch des HerzogsBogislaw V.und desBischofs von Cammin,Johann von Sachsen-Lauenburg, entschieden. Danach musste die Stadt dem Herzog ein steinernes Haus mit Umfassungsmauer und eine Kapelle, dieOttenkirche, errichten, während dieser im Gegenzug der StadtBelehnungenund Privilegien bestätigte.[2]1428 ließ HerzogKasimir V.das Schloss neu befestigen.[3]
Bogislaw X.begann 1490 mit dem Neubau des Schlosses aus Anlass seiner bevorstehenden Vermählung in zweiter Ehe mit der Prinzessin Anna von Polen.[4]Die Hochzeit mit der 14-Jährigen fand am 2. Februar 1491 in Stettin statt, doch war der Schlossbau noch nicht vollendet, da die Stadt sich weigerte, vom Herzog beanspruchte Grundstücke abzutreten. Es kam zu langwierigen Streitigkeiten. 1503 brachte er die Stadt dazu, ihm Teile des Altböterberges zu überlassen und die dort stehenden Häuser abzureißen,[5]an deren Stelle ein neuer Südflügel des Schlosses errichtet wurde. UnterBarnim IX.wurde 1538 der Ostflügel errichtet.
HerzogJohann Friedrichließ nach seinem Regierungsantritt 1573 das Schloss nach Plänen des italienischen BaumeistersAntonio Wilhelmigrundlegend umbauen. Unter ihm erhielt das Schloss in weiten Teilen seine heutige Form. Der von Bogislaw X. errichtete Südflügel blieb weitgehend unverändert, dasalte HausBarnims III. und dieOttenkirchewurden abgerissen. 1576 richtete ein Brand, bei dem fünf Menschen ums Leben kamen, großen Schaden an. Als Ersatz für die Ottenkirche ließ Herzog Johann Friedrich dieSchlosskircheerrichten, die nunmehr als dieGrablegeder pommerschen Herzöge diente. Die wesentlichen Bauarbeiten wurden bis 1577 abgeschlossen.
Für HerzogPhilipp II.wurde dem Westflügel ein Renaissancebau vorgesetzt, der durch Zwischenflügel mit dem Schloss verbunden war. Er plante im Neubau seine umfangreiche Kunstsammlung unterzubringen, erlebte jedoch die Fertigstellung nicht mehr, die unter seinem NachfolgerFranzerfolgte.
Erinnerungstafel für Barnim III. († 1368) von ca. 1538 am Nordflügel
Stiftungstafel von Barnim IX. mit vollständigem Wappen – Ostflügel 1538
Stiftungstafel von Philipp II. und Franz I. im Vorhof von 1619 mit Wappen der Landesteile
Schweden und Preußen
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Nach dem Aussterben des Greifengeschlechts mitBogislaw XIV.während des Dreißigjährigen Krieges diente das Schloss denschwedischen Statthaltern in Pommernbis 1720 als Regierungssitz. Während der Belagerung Stettins imSchwedisch-Brandenburgischen Kriegwurde das Schloss durch die Kanonen der brandenburgischen Belagerer schwer beschädigt. Von 1709 bis 1711 verbrachten der vormalige polnische KönigStanisław Leszczyńskiund seine FrauKatharinadie ersten Jahre ihres Exils auf dem Schloss. Nach dem Übergang Stettins anPreußenwohnte hier der Kommandeur der StettinerGarnison,Christian August von Anhalt-Zerbst, der Vater der späteren ZarinKatharina II.Friedrich Wilhelm I.ließ Auf- und Umbauarbeiten durchführen, um hier die Regierung, Gerichte, diePommersche Kriegs- und Domänenkammer, einArsenalsowie Wohnräume für den König unterzubringen.Friedrich II.ordnete 1752 die Einrichtung einerMünzprägeanstaltan.[6]
Friedrich Wilhelm IV., der als Kronprinz zeitweise das Schloss bewohnte, ließ weitere Bauarbeiten durchführen und unter anderem den achtseitigen Turm an der nordöstlichen Ecke errichten und den Nordflügel um eine Etage erhöhen. Das Schloss war für die preußischen Kronprinzen, die den Titel „Statthalter von Pommern“ führten, die standesgemäße Residenz in derProvinz Pommern. Nachdem das Arsenal in die Stettiner Neustadt verlegt worden war, wurde 1872 bis 1874 der Südflügel bis auf die unteren Umfassungsmauern abgetragen. Bei den Umbauarbeiten im 19. Jahrhundert, die den Bedürfnissen einer Zivilverwaltung dienten, gingen viele Renaissanceelemente des Gebäudekomplexes verloren. Nachdem die Behörden 1902 ausgelagert worden waren, begannen 1925 Renovierungsarbeiten, wurden jedoch ein Jahr später eingestellt.[6]
Nach 1945
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Durch einen Bombenangriff der Alliierten auf Stettin wurde das Schloss im Jahr 1944 schwer beschädigt. Nachdem Stettin 1945 zusammen mitHinterpommernund einem TeilVorpommernsunterpolnischeVerwaltung gestellt worden war, wurden ab 1946 erste Sicherungsarbeiten durchgeführt und ab 1948 archäologische Untersuchungen im Innenhof.
Nach den Plänen der herzoglichen Residenz wurde das Schloss von 1958 bis 1980 imRenaissance-Stilwieder aufgebaut. Unter dem Namen „Zamek Książąt Pomorskich“ wurde es als Kulturzentrum eingerichtet, in dem sich unter anderem dieOpera na Zamku(„Oper im Schloss“) und dasUrząd Marszałkowski Województwa Zachodniopomorskiego(„Marschallamt der Woiwodschaft Westpommern“) befinden.[6]
Vor 2016 wurde die ehemalige Schlosskirche, jetzt Bogislaw-Saal, saniert und restauriert. Der Saal dient heute als Theater- und Konzertsaal. Unter dem Bauteil befindet sich nun wieder die Krypta der Pommernherzöge, nachdem deren Särge bisher provisorisch in einem Kellerraum des Ostflügels standen.
Nachdem im Mai 2017 mehrere Deckenpfeiler im Nordteil des Schlosses eingestürzt waren, brach auch ein Teil der Decke in sich zusammen. Die Ursache der Katastrophe blieb unklar.[7]